Juni 2017

Was für ein schönes Leben im Juni. Es ist endlich warm drinnen und draußen. Die Grills werden angeworfen. Genauer gesagt alle Grills: Die asiatischen Nachbarn sind die Weltmeister im Grillen, gefolgt von der leicht spießigen Nachbars-Großfamilie im Haus hinter dem in dem ich wohne – das sind die mit dem künstlichen Brunnen und den 214 Solarlichtern, die auch am frühen Morgen noch leuchten und ja, auch die im Vorderhaus sitzen draußen und brutzeln Berge von Fleisch. So zieht es rein in meine Dachwohnung: Fischgeruch von der Stirnseite, Schaschlik von hinten und Steaks und Bratwurst von vorn. Lass ich die Fenster geschlossen schwitze ich, mach ich sie auf werde ich geräuchert.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau – schließlich komme ich gerade aus dem Urlaub – eine Woche Trentino, genauer gesagt vom Lago d` Idro. Da muss doch genügend Frustrationstoleranz aufgebaut sein um das Alltagsleben zu nehmen wie es ist, oder?

Warum ich mir schon am Brenner den Spiegel gekauft habe, weiß ich auch nicht! Vielleicht hatte ich Sehnsucht nach echten Krisen und wie ich lese, ist die Liste nicht kürzer geworden:
Irre überall, sehr viele in der Politik, leider auch in den höchsten Ämtern in vielen, vielen Ländern. Doch auch ohne Amt treten sie in Erscheinung, dank des Internets sieht man auch solche, deren Anblick einem sonst vielleicht erspart geblieben wäre.
Auf der einen Seite ist die Menschheit so schlau wie nie zu vor, mit feinen Meßmethoden und einem unglaublichen Wissen um Zusammenhänge aller Art, von Politik bis Ökonomie, von Hirn- zu Klimaforschung, es gibt mehr Kunst und Musik als man aufnehmen kann, mehr zu Essen als man braucht…
doch Vorsicht, auf der anderen Seite gibt es auch Hunger, Analphabetentum, Krieg, Flucht, Gewalt, Poleis, das schmilzt, Hass, Ignoranz, Armut, Porsches mit falschen Abgaswerten, Flüchtlingslager rund um Europa, Ausgegrenzte, Eingesperrte, Tier – und Menschenquälerei und und und!

Wie zum Teufel kann das sein, wo wir uns doch alle diesen einen Planeten teilen, wo es genug von Allem für Alle gibt?

Das erste Zeitalter, das nicht mehr von der Natur und den Sternen geprägt wird hat begonnen. Man nennt es Anthropozän. Das Geschehen auf der Erde und das was mit der Erde geschieht wird vom Menschen beeinflusst und gemacht. „Gemacht“ heißt leider nicht, dass der Mensch „bestimmt“ was passiert und wie viel davon.

Im Moment sieht eher es so aus, als würden wir einfach mal machen, solange es eben noch geht.
Wenn ich da hinschaue auf die ganzen Krisen, dann wirkt das für mich nicht wie ein cooler Mega-Masterplan, den kluge Köpfe gezielt umsetzen und dabei von allen unterstützt werden.

Der Mensch mag zwar das einzige Lebewesen sein, dass so etwas wie Bewusstsein und Vernunft entwickelt hat, doch anzufangen weiß er scheinbar (noch) nicht viel damit!
Ob ich Hoffnung habe? Leider nicht sehr viel….

Euer Krisenmanager, im Juni 2017