Februar 2018

Es ist Sonntag Abend und die nächste Arbeitswoche steht bevor, die Netflixserie ist ab der dritten Staffel nicht mehr fesselnd genug um mein Einschlafen zu verhindern und die Einkaufsversuche bei Ebay sind für dieses Wochenende seit Stunden schon vorbei – aber ich mag einfach noch nicht ins Bett gehen. Bei einer Tasse Tee lasse ich meine Gedanken wandern, spüre in mich hinein, schaue was kommt und auf einmal ist mir klar, dass ich gerne nichts mehr und nicht weniger als ein guter Mensch sein möchte.

Doch was macht einen solchen aus? Schwer zu sagen in einer Welt konkurrierender Weltanschauungen, die sich noch dazu miteinander vermischen! Schwer zu sagen in einer Welt von fake news, echten und halbwahren Wahrheiten, die bei genauem Hinsehen anfangen sich zu verwandeln in Variationen ihrer selbst bis in ihr eigenes Gegenteil.
Je tiefer die Suche nach der Wahrheit gerät, desto unübersichtlicher stellt sie sich dar. Zu viele sich widersprechender Theorien und Experten tummeln sich. Es ist dabei völlig gleichgültig welches Thema man wählt, weil sowieso alles mit allem zusammenhängt. Dazu kommt, dass auch intelligente Menschen sich nicht einig sind und zum Beispiel unterschiedlichen politischen Parteien angehören oder sie glauben fest an unterschiedliche wissenschaftliche Theorien. So behaupten die einen, dass das CO2 der Klimakiller ist, die anderen sagen alles sei ganz normal und wieder andere, wie Rosalie Bertell, behaupten es seien die Chemtrails des Climate Engineering, das von den Militärs betrieben wird, oder so ähnlich. Sind die alle blöd oder gibt es sie vielleicht gar nicht, diese Wahrheit.
Wenn Intelligenz also nicht hilft und die Wahrheit abhängig ist, von den Informationen, die man bekommt, von denen man aber nicht weiß, ob sie stimmen oder nicht, dann ist auch erklärt, warum auch intelligente Menschen an abstruse Verschwörungstheorien glauben, Sekten angehören oder in Esoterik schwelgen.

Braucht ein guter Mensch, der ich so gerne wäre, überhaupt die Wahrheit?

Na klar, sonst bleibt ja unklar, was gut oder schlecht ist! Gut für wen oder was ist außerdem noch unterschiedlich, je nach Blickwinkel – oh, jetzt drehen wir und schon wieder im Kreis.

An was glaubt ein guter Mensch, an welche Kirche, welchen Gott, welche Partei, welche Theorie, welche Philosophie, welche Wissenschaft?

Zum Glück werde ich jetzt wirklich müde. Diese Gedanken sind zweifellos sehr zermürbend. Mir deucht (= ein sehr seltenes Wort!) dass ich es heute auch gar nicht mehr schaffe aus mir einen guten Menschen zu machen und wenn ich Pech habe, was auch sein kann, weil mir das schon mal passiert ist, dann gibt es diesen guten Menschen gar nicht und ich jage einem Phantom hinterher.

Dann doch besser Bett!

Die Suche geht weiter!

Euer Krisenmanager